Die neue Aktienrente, was steckt dahinter?

Die neue Aktienrente, was steckt dahinter?

Dass die deutsche Rentenversicherung Reformbedarf hat, ist unumstritten. Viele kleine „Reförmchen“ haben in den letzten Jahren versucht, die Löcher zu schließen, aber eine richtige Reform steht noch aus.

Die Alterspyramide macht Sorgen

Warum aber brauchen wir eine Reform der umlagefinanzierten Rente? Das deutsche Rentensystem war früher ein Vorzeigemodell für sehr viele andere Staaten in Bezug auf die soziale Absicherung im Alter. Aber spätestens seit in Deutschland die Alterspyramide quasi auf den Kopf gestellt wurde, zeigt sich, dass dieses System, bei einer erkennbaren Überalterung der Gesellschaft, nur durch hohe Steuerzuschüsse zu bezahlen ist. Die Zuschüsse liegen aktuell bei ca. 100 Mrd. Euro pro Jahr und sollen voraussichtlich weiter steigen. Da sorgt besonders die aktuelle Pandemie nicht für Entspannung, sondern eher für eine Verschärfung der Lage. Verallgemeinert kann gesagt werden, dass die jeweilige arbeitende Generation die aktuelle Rentnergeneration versorgt. Das heißt aber auch, dass das eingezahlte Geld der Beitragszahler diesen, wenn überhaupt, nur zu einem geringen Teil zur Verfügung steht. Es ist daher kein individuelles Ansparvermögen.

Gute Vorbilder gibt es bereits

Länder wie Schweden praktizieren schon seit vielen Jahren ein anderes Modell, dass neben der Rentenversicherung ein zusätzliches Aktienvermögen aufbaut. Der sogenannte AP7-Fonds ist, im Gegensatz zum deutschen System, kapitalgedeckt und für jeden Beitragszahler anteilig angelegt. Eigenes Geld für die eigene Absicherung.

Der norwegische Staatsfonds beispielsweise investiert zu zwei Dritteln in Aktien und hat seitdem eine höhere Performance als der DAX. Jeder Norwegerin / jedem Norweger werden über dieses Instrument mindestens ca. 1.600,- € Rente garantiert. Da wundert es nicht, dass der norwegische Staatsfonds der größte Pensionsfonds der Welt ist.

Der Versuch, in Deutschland über die Riesterrente eine Art „aktienbasierte“ Zusatzrente einzuführen, ist praktisch ein Fehlschlag und liefert in der Regel so gut wie keine Rendite, sondern begünstigt vorrangig die Versicherungen oder Fondsgesellschaften als Anbieter der Produkte.

Die neue Ampelregierung möchte in Anlehnung an die skandinavischen Modelle eine zweite Säule der Rentenversicherung aufbauen, bleibt mit ihren Aussagen aber recht vage. Zu Beginn ist vorgesehen, einen entsprechenden Fonds mit 10 Mrd. Euro zu starten und über eine unabhängige Stelle zu verwalten. Die genaue Ausgestaltung bleibt abzuwarten. Gut ist zumindest, dass die Ampel den enormen Handlungsdruck erkannt hat und nach einem bewährten Ausweg sucht.

Viele Deutsche kümmern sich noch immer zu wenig um ihre Altersvorsorge. Die Antwort auf dieses Problem sollte aber nicht sein, nun auch die Aktienrente einfach in die Hände des Staates zu legen.
DR. STEFAN STEIB

Die Zeit der digitalen Selbstentscheider

Doch die wichtigste Erkenntnis, die jede*r Einzelne aus dieser Entwicklung ziehen kann – langfristig führt kein Weg am Kapitalmarkt vorbei. Ohne eine Beteiligung an Aktienkapital kommt es eher zu einer Entwertung der eigenen Rentenansprüche als zu einem Zuwachs. Die derzeitige Inflation macht die Sache nicht besser. Auch wenn die kapitalgedeckte Aktienrente politisch umgesetzt wird, sollten die Menschen sich nicht ausschließlich darauf verlassen und für sich selbst vorsorgen. Die Märkte sind weitestgehend effizient, so dass uns alle Tools und Möglichkeiten zur Verfügung stehen, als Selbstentscheider am Aktien-/Anleihemarkt aktiv zu werden.

Allerdings ist an dieser Stelle Vorsicht geboten, denn wer sich als Selbstentscheider an den Aktienmarkt wagt, sollte sich zuallererst über Märkte, Wertpapiere, Renditen und Risiken informieren, und zwar objektiv und nicht angebotsgesteuert. Ohne eine objektive Meinungsbildung, die durchaus mit einem gewissen Aufwand verbunden ist, kann man nicht erwarten, eine nachhaltige und erfolgreiche individuelle Anlagestrategie zu entwickeln. In Zeiten, in denen Märkte nur „boomen“, kann fast niemand etwas falsch machen, aber wenn Korrekturen kommen und sich schwankende Entwicklungen andeuten, zeigt sich, wie „wetterfest“ das Depot ist.

Die Zeit ist gekommen, dass jeder ein eigener Anlagestratege wird und für die eigene Zukunft am Kapitalmarkt vorsorgt. Das Stichwort lautet #financialempowerment.

Die neue Aktienrente, was steckt dahinter?

Dass die deutsche Rentenversicherung Reformbedarf hat, ist unumstritten. Viele kleine „Reförmchen“ haben in den letzten Jahren versucht, die Löcher zu schließen, aber eine richtige Reform steht noch aus.

Die Alterspyramide macht Sorgen

Warum aber brauchen wir eine Reform der umlagefinanzierten Rente? Das deutsche Rentensystem war früher ein Vorzeigemodell für sehr viele andere Staaten in Bezug auf die soziale Absicherung im Alter. Aber spätestens seit in Deutschland die Alterspyramide quasi auf den Kopf gestellt wurde, zeigt sich, dass dieses System, bei einer erkennbaren Überalterung der Gesellschaft, nur durch hohe Steuerzuschüsse zu bezahlen ist. Die Zuschüsse liegen aktuell bei ca. 100 Mrd. Euro pro Jahr und sollen voraussichtlich weiter steigen. Da sorgt besonders die aktuelle Pandemie nicht für Entspannung, sondern eher für eine Verschärfung der Lage. Verallgemeinert kann gesagt werden, dass die jeweilige arbeitende Generation die aktuelle Rentnergeneration versorgt. Das heißt aber auch, dass das eingezahlte Geld der Beitragszahler diesen, wenn überhaupt, nur zu einem geringen Teil zur Verfügung steht. Es ist daher kein individuelles Ansparvermögen.

Gute Vorbilder gibt es bereits

Länder wie Schweden praktizieren schon seit vielen Jahren ein anderes Modell, dass neben der Rentenversicherung ein zusätzliches Aktienvermögen aufbaut. Der sogenannte AP7-Fonds ist, im Gegensatz zum deutschen System, kapitalgedeckt und für jeden Beitragszahler anteilig angelegt. Eigenes Geld für die eigene Absicherung.

Der norwegische Staatsfonds beispielsweise investiert zu zwei Dritteln in Aktien und hat seitdem eine höhere Performance als der DAX. Jeder Norwegerin / jedem Norweger werden über dieses Instrument mindestens ca. 1.600,- € Rente garantiert. Da wundert es nicht, dass der norwegische Staatsfonds der größte Pensionsfonds der Welt ist.

Der Versuch, in Deutschland über die Riesterrente eine Art „aktienbasierte“ Zusatzrente einzuführen, ist praktisch ein Fehlschlag und liefert in der Regel so gut wie keine Rendite, sondern begünstigt vorrangig die Versicherungen oder Fondsgesellschaften als Anbieter der Produkte.

Die neue Ampelregierung möchte in Anlehnung an die skandinavischen Modelle eine zweite Säule der Rentenversicherung aufbauen, bleibt mit ihren Aussagen aber recht vage. Zu Beginn ist vorgesehen, einen entsprechenden Fonds mit 10 Mrd. Euro zu starten und über eine unabhängige Stelle zu verwalten. Die genaue Ausgestaltung bleibt abzuwarten. Gut ist zumindest, dass die Ampel den enormen Handlungsdruck erkannt hat und nach einem bewährten Ausweg sucht.

Viele Deutsche kümmern sich noch immer zu wenig um ihre Altersvorsorge. Die Antwort auf dieses Problem sollte aber nicht sein, nun auch die Aktienrente einfach in die Hände des Staates zu legen.
DR. STEFAN STEIB

Die Zeit der digitalen Selbstentscheider

Doch die wichtigste Erkenntnis, die jede*r Einzelne aus dieser Entwicklung ziehen kann – langfristig führt kein Weg am Kapitalmarkt vorbei. Ohne eine Beteiligung an Aktienkapital kommt es eher zu einer Entwertung der eigenen Rentenansprüche als zu einem Zuwachs. Die derzeitige Inflation macht die Sache nicht besser. Auch wenn die kapitalgedeckte Aktienrente politisch umgesetzt wird, sollten die Menschen sich nicht ausschließlich darauf verlassen und für sich selbst vorsorgen. Die Märkte sind weitestgehend effizient, so dass uns alle Tools und Möglichkeiten zur Verfügung stehen, als Selbstentscheider am Aktien-/Anleihemarkt aktiv zu werden.

Allerdings ist an dieser Stelle Vorsicht geboten, denn wer sich als Selbstentscheider an den Aktienmarkt wagt, sollte sich zuallererst über Märkte, Wertpapiere, Renditen und Risiken informieren, und zwar objektiv und nicht angebotsgesteuert. Ohne eine objektive Meinungsbildung, die durchaus mit einem gewissen Aufwand verbunden ist, kann man nicht erwarten, eine nachhaltige und erfolgreiche individuelle Anlagestrategie zu entwickeln. In Zeiten, in denen Märkte nur „boomen“, kann fast niemand etwas falsch machen, aber wenn Korrekturen kommen und sich schwankende Entwicklungen andeuten, zeigt sich, wie „wetterfest“ das Depot ist.

Die Zeit ist gekommen, dass jeder ein eigener Anlagestratege wird und für die eigene Zukunft am Kapitalmarkt vorsorgt. Das Stichwort lautet #financialempowerment.

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