Inflation produziert auch Gewinner – und damit Ärger

Inflation produziert auch Gewinner – und damit Ärger

Das Schreckgespenst „Inflation“ beschäftigt seit Monaten Verbraucher, Anleger, Ökonomen und Politiker. In der Euro-Zone wird für 2022 mittlerweile mit einer durchschnittlichen Inflation von mehr als 8 Prozent gerechnet. In den USA wurden im Juni schon 9,1 Prozent gemessen.

Alles wird teurer, jeder bekommt die Geldentwertung zu spüren. Für Arbeitnehmer, Rentner und Sparer, deren Einkommen mit der Teuerung nicht Schritt halten kann, wird die Inflation zum Horror. Sie alle müssen Realverluste hinnehmen und verlieren das Vertrauen in die Stabilität des Geldes. Doch die Geldentwertung hat auch Profiteure. Auch deshalb wird sie uns noch lange erhalten bleiben und wird für erhebliche Spannungen sorgen. Eine differenzierte Betrachtung ist also notwendig.

„Windfall Profits“ für Unternehmen

Hohe Energiepreise, Lieferkettenprobleme… damit haben natürlich auch die Unternehmen zu kämpfen. Aber es „leiden“ nicht alle gleichermaßen. Wie die aktuellen Unternehmensergebnisse zeigen, sind viele Unternehmen in der Lage, die höheren Preise für Energie und andere Rohstoffe an ihre Kunden weiterzugeben. Beispiel BASF: der weltgrößte Chemiekonzern hat für das erste Halbjahr ein Umsatzplus von 16 Prozent und eine Gewinnsteigerung um 33 Prozent auf über 2 Milliarden Euro gemeldet. Den exportorientierten deutschen Unternehmen kommt hier zusätzlich noch die Euroschwäche zur Hilfe die dadurch ausgelöst worden ist, dass die amerikanische Notenbank die Zinsen schon sehr viel früher und aggressiver erhöht hat als die EZB. Im Ergebnis profitieren viele Firmen in der Euro-Zone von der Inflation. Die Aktionäre freuen sich über Rekordgewinne, attraktive Gewinnmargen und der Staat über zusätzliche Steuereinnahmen. 

Vermögensgewinne für Anleger

Wer schlau genug war, sein Erspartes in den vergangenen Jahren nicht auf dem Sparbuch oder im Kopfkissen liegen zu lassen, hat bereits massiv von Inflation profitiert. Bei Vermögenswerten hat die „Asset Price Inflation“ in den vergangenen mehr als 10 Jahren nämlich dafür gesorgt, dass die Preise für Sachwertkategorien wie z.B. Immobilien, aber auch Aktien enorm und stetig gestiegen sind. An diesem Ergebnis ändern auch die jüngsten Rückschläge an den Börsen nichts. Wer lange genug und breit diversifiziert angelegt hat, gehört zu den Inflationsgewinnern. Auf der Verliererseite stehen hingegen die, die über keine Vermögenswerte verfügen und gezwungen sind, ihr verdientes, an Kaufkraft verlierendes Geld für Lebensnotwendiges sofort zu verkonsumieren.

Und die Arbeitnehmer? Reallohnverluste 

Arbeitnehmer werden höhere Löhne fordern, klar, und die Angst vor einer Lohn-Preis-Spirale dadurch befeuern. In den USA ist diese längst losgetreten, in Deutschland nicht. Denn: Bei mehr als 8 Prozent Inflation führen Tarifforderungen der Gewerkschaften von mehr als 8 Prozent, die nach zähen Verhandlungen irgendwo zwischen 5 und 6 Prozent landen werden, zu Reallohnverlusten. Auf den ersten Blick großzügige Lohnerhöhungen werden durch die Inflation aufgefressen.

Höhere Steuereinnahmen für den Staat und eine Kompression der Schuldenlast

Eine Lohnerhöhung mag nominal zwar die Inflation ausgleichen, über die Progression des Steuertarifs wird dem Arbeitnehmer aber gleich wieder eine höhere Abgabe abverlangt. Diese „kalte Progression“ spült dem Staat also zusätzliche Einnahmen in die Kassen. Schlecht für Arbeitnehmer, gut für den Staat, der Einnahmen dringend braucht.

Was aber im europäischen Kontext noch wichtiger ist: nicht nur die hochverschuldeten „Problem-Staaten“ haben ein enormes Interesse, ihre Schuldenlast mithilfe der Inflation quasi automatisch zu senken. Dieser als „finanzielle Repression“ bekannte Prozess funktioniert, solange die Inflationsrate höher ist als der Zins für den Schuldendienst. Die Schulden werden quasi „weg-inflationiert“. Das hochverschuldete Italien muss zwar deutlich höhere Renditen an seine Gläubiger zahlen als zum Beispiel Deutschland. Diese liegen aber deutlich unter der aktuellen Inflation und die EZB hat zudem bereits Pläne geschmiedet, mit Hilfe der „Antifragmentierung“ letztlich die Inflationsprofite der Staaten erhalten. Zulasten des Stabilitätsziels. 

Inflation ist und bleibt vor allem ungerecht

Die Verteilungswirkung von Inflation ist unklar, sie ist in Teilen willkürlich. Es ist nicht eindeutig wer die Gewinner und wer die Verlierer sein werden. Fest steht nur: ökonomisch verliert eine Volkswirtschaft durch Inflation als Ganzes. Auch weil die sozioökonomische Sprengkraft enorm ist. Die Inflationsverlierer verlangen nach Kompensation, die Inflationsgewinner hingegen streichen die Gewinne gerne weiter ein. Der daraus resultierende Verteilungskampf um die Inflationsgewinne führt dazu, dass die eigentlichen Treiber einer Volkswirtschaft – Investitionen und Innovationen – auf der Stecke bleiben. 

Inflation produziert auch Gewinner – und damit Ärger

Das Schreckgespenst „Inflation“ beschäftigt seit Monaten Verbraucher, Anleger, Ökonomen und Politiker. In der Euro-Zone wird für 2022 mittlerweile mit einer durchschnittlichen Inflation von mehr als 8 Prozent gerechnet. In den USA wurden im Juni schon 9,1 Prozent gemessen.

Alles wird teurer, jeder bekommt die Geldentwertung zu spüren. Für Arbeitnehmer, Rentner und Sparer, deren Einkommen mit der Teuerung nicht Schritt halten kann, wird die Inflation zum Horror. Sie alle müssen Realverluste hinnehmen und verlieren das Vertrauen in die Stabilität des Geldes. Doch die Geldentwertung hat auch Profiteure. Auch deshalb wird sie uns noch lange erhalten bleiben und wird für erhebliche Spannungen sorgen. Eine differenzierte Betrachtung ist also notwendig.

„Windfall Profits“ für Unternehmen

Hohe Energiepreise, Lieferkettenprobleme… damit haben natürlich auch die Unternehmen zu kämpfen. Aber es „leiden“ nicht alle gleichermaßen. Wie die aktuellen Unternehmensergebnisse zeigen, sind viele Unternehmen in der Lage, die höheren Preise für Energie und andere Rohstoffe an ihre Kunden weiterzugeben. Beispiel BASF: der weltgrößte Chemiekonzern hat für das erste Halbjahr ein Umsatzplus von 16 Prozent und eine Gewinnsteigerung um 33 Prozent auf über 2 Milliarden Euro gemeldet. Den exportorientierten deutschen Unternehmen kommt hier zusätzlich noch die Euroschwäche zur Hilfe die dadurch ausgelöst worden ist, dass die amerikanische Notenbank die Zinsen schon sehr viel früher und aggressiver erhöht hat als die EZB. Im Ergebnis profitieren viele Firmen in der Euro-Zone von der Inflation. Die Aktionäre freuen sich über Rekordgewinne, attraktive Gewinnmargen und der Staat über zusätzliche Steuereinnahmen. 

Vermögensgewinne für Anleger

Wer schlau genug war, sein Erspartes in den vergangenen Jahren nicht auf dem Sparbuch oder im Kopfkissen liegen zu lassen, hat bereits massiv von Inflation profitiert. Bei Vermögenswerten hat die „Asset Price Inflation“ in den vergangenen mehr als 10 Jahren nämlich dafür gesorgt, dass die Preise für Sachwertkategorien wie z.B. Immobilien, aber auch Aktien enorm und stetig gestiegen sind. An diesem Ergebnis ändern auch die jüngsten Rückschläge an den Börsen nichts. Wer lange genug und breit diversifiziert angelegt hat, gehört zu den Inflationsgewinnern. Auf der Verliererseite stehen hingegen die, die über keine Vermögenswerte verfügen und gezwungen sind, ihr verdientes, an Kaufkraft verlierendes Geld für Lebensnotwendiges sofort zu verkonsumieren.

Und die Arbeitnehmer? Reallohnverluste 

Arbeitnehmer werden höhere Löhne fordern, klar, und die Angst vor einer Lohn-Preis-Spirale dadurch befeuern. In den USA ist diese längst losgetreten, in Deutschland nicht. Denn: Bei mehr als 8 Prozent Inflation führen Tarifforderungen der Gewerkschaften von mehr als 8 Prozent, die nach zähen Verhandlungen irgendwo zwischen 5 und 6 Prozent landen werden, zu Reallohnverlusten. Auf den ersten Blick großzügige Lohnerhöhungen werden durch die Inflation aufgefressen.

Höhere Steuereinnahmen für den Staat und eine Kompression der Schuldenlast

Eine Lohnerhöhung mag nominal zwar die Inflation ausgleichen, über die Progression des Steuertarifs wird dem Arbeitnehmer aber gleich wieder eine höhere Abgabe abverlangt. Diese „kalte Progression“ spült dem Staat also zusätzliche Einnahmen in die Kassen. Schlecht für Arbeitnehmer, gut für den Staat, der Einnahmen dringend braucht.

Was aber im europäischen Kontext noch wichtiger ist: nicht nur die hochverschuldeten „Problem-Staaten“ haben ein enormes Interesse, ihre Schuldenlast mithilfe der Inflation quasi automatisch zu senken. Dieser als „finanzielle Repression“ bekannte Prozess funktioniert, solange die Inflationsrate höher ist als der Zins für den Schuldendienst. Die Schulden werden quasi „weg-inflationiert“. Das hochverschuldete Italien muss zwar deutlich höhere Renditen an seine Gläubiger zahlen als zum Beispiel Deutschland. Diese liegen aber deutlich unter der aktuellen Inflation und die EZB hat zudem bereits Pläne geschmiedet, mit Hilfe der „Antifragmentierung“ letztlich die Inflationsprofite der Staaten erhalten. Zulasten des Stabilitätsziels. 

Inflation ist und bleibt vor allem ungerecht

Die Verteilungswirkung von Inflation ist unklar, sie ist in Teilen willkürlich. Es ist nicht eindeutig wer die Gewinner und wer die Verlierer sein werden. Fest steht nur: ökonomisch verliert eine Volkswirtschaft durch Inflation als Ganzes. Auch weil die sozioökonomische Sprengkraft enorm ist. Die Inflationsverlierer verlangen nach Kompensation, die Inflationsgewinner hingegen streichen die Gewinne gerne weiter ein. Der daraus resultierende Verteilungskampf um die Inflationsgewinne führt dazu, dass die eigentlichen Treiber einer Volkswirtschaft – Investitionen und Innovationen – auf der Stecke bleiben. 

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