Neobroker verlässt den Sherwood Forest – kein Aprilscherz

Neobroker verlässt den Sherwood Forest – kein Aprilscherz

Der amerikanische Neobroker-Pionier Robinhood geht an die Börse. Der kalifornische Fintech-Star hat bei der amerikanischen Börsenaufsicht SEC einen Antrag für eine Erstnotiz eingereicht.

Robin Hood setzt seine Erfolgsgeschichte fort

Das Initial Public Offering (IPO), könnte schon im zweiten Quartal dieses Jahres stattfinden, sobald die SEC ihre Prüfung abgeschlossen hat. Robinhood wird aktuell mit knapp 12 Milliarden Dollar bewertet, könnte bei einem Börsengang nach ersten Schätzungen aber sogar auf eine Bewertung von bis zu 20 Milliarden Dollar kommen.

Damit setzt der 2013 von den beiden Stanford-Studenten Vlad Tenev und Baiju Bhatt gegründete Fintech-Star nicht nur seine Erfolgsgeschichte fort, sondern es wird auch das nächste Kapitel zur „Demokratisierung des Börsenhandels“ aufgeschlagen: alles per App, ohne komplexe Gebühren, ohne eingestaubte Benutzeroberfläche und all das für möglichst viele Menschen. Bereits heute zählt die Plattform mehr als 13 Millionen Kunden.

Auch hierzulande haben Robinhood-Nachahmer der neuen (digitalen) Generation – insbesondere junge Sparer und Anleger – den dringend benötigten Zugang zur Börse nicht nur ermöglicht, sondern auch verlockend und spielerisch-attraktiv präsentiert. Zehntausende junge Menschen haben in den vergangenen Monaten so endlich den Weg an die Börse gefunden.

Allein in Deutschland ist die Anzahl der Aktionäre nach Angaben des Deutschen Aktieninstituts im vergangenen Jahr um 2,7 Millionen angewachsen! Mit einer Zuwachsrate von fast 70 % stechen vor allem die unter 30-Jährigen hervor. Aktien werden Teil des Lifestyles. Die Hemmschwelle für Börsenengagements sinkt endlich, Wertpapiersparen wird zur Normalität. Den Niedrigzinsen sei Dank; der Verdienst gebührt aber auch den neuen digitalen Smartphone-Apps der Neobroker.

Erfolgsrezept mit Nebengeschmack!

Das Image der Broker-Rebellen hat in der jüngeren Vergangenheit aber kräftig gelitten. Im vergangenen Jahr beging ein 20-jähriger Robinhood-Trader Selbstmord, weil ihm in der App ein Fehlbetrag von 730.000 Dollar angezeigt wurde. Später stellte sich heraus, dass er die Daten falsch interpretiert hatte. Doch da war es schon zu spät. Seine Familie hat nun Klage gegen Robinhood eingereicht. Nicht nur dem US-Fintech-Star, sondern den Neobrokern im Allgemeinen wird vorgeworfen, durch ihre spielerischen Funktionen süchtig zu machen.

Gerade junge Nutzer könnten das tatsächliche Risiko ihres Handelns deshalb gar nicht realistisch einschätzen. So kritisierte die US-Börsenaufsicht Robinhood im vergangenen Jahr für die "Gamification", also die Einbindung von Spieleelementen in den Prozess der Geldanlage. Tatsächlich nutzt Robinhood eine spielerische Grafik und setzt auf Social Media, um den Spaßfaktor beim Aktienhandel zu erhöhen. Andere Neobroker folgen diesem Vorbild. Zwar ist Gamification ein beliebtes und weit verbreitetes Mittel, etwa um Wissensvermittlung spielerisch aufzubereiten. Ob dies auch konkret beim Traden zum Einsatz kommen sollte, bleibt mindestens fragwürdig, weil spätestens beim Einsatz und potenziellen Verlusten das Spiel endet.

Bestätigt fühlten sich die Skeptiker durch die Gamestop-Flashmob-Attacken vor wenigen Wochen: Privatanleger verabredeten sich im Internet zu Wertpapierkäufen und trieben den Aktienpreis des Videospiele-Einzelhändlers Gamestop innerhalb eines Monats von rund 17 Dollar hoch auf bis zu 340 Dollar – mithilfe der Neobroker. Sie wetteten dabei vor allem gegen große Hedgefonds und bescherten diesen Milliarden-Verluste.

Neobroker für Neoinvestoren ja, aber nicht ohne Neoadvisor!

Unrealistische Erwartungen, Halbwissen und wildes Zocken in der Hoffnung auf „Spaß“ und kurzfristige Gewinne werden zwangsläufig zur Konsequenz haben, dass die Börsen-Neulinge und Robinhood-Rebellen teures Lehrgeld zu bezahlen haben. Börse ist kein virtuelles Game! Ganz egal wie spielerisch der Broker anmutet. Viele Einsteiger ignorieren wichtige Investmentgrundregeln und setzen in der Hoffnung auf schnelle Gewinne auf „heiße Tipps“. Damit aus einem kurzfristigen Boom auch ein langanhaltender Wandel entsteht, reicht eine „Demokratisierung des Börsenhandels“ allein ganz offensichtlich nicht aus.

Ich habe bei meinen Börsenspekulationen nie zu den Dummköpfen gehört, die immer wieder den unmöglichen Versuch machen, nur zum niedrigsten Kurs zu kaufen und zum höchsten zu verkaufen.
AMSCHEL MEYER ROTHSCHILD

Im Kern geht es darum, dieser neuen Generation der digitalen Selbstentscheider nicht nur mit kostenlosem Handel und coolen Trading-Apps endlich den Zugang zu den Börsen zu ermöglichen. Es muss gleichzeitig auch sichergestellt werden, dass sie eigenverantwortlich und kompetent entscheiden und investieren können. Die Neoinvestoren müssen in nachhaltige, langfristig gewinnbringende Bahnen gelenkt werden. Wir bei finCraft nennen das „financial empowerment“ für digitale Selbstentscheider. In anderen Worten: Auf die „Demokratisierung des Börsenhandels“ folgt die „Demokratisierung der Anlageberatung“. Dafür steht finCraft.

Neobroker verlässt den Sherwood Forest – kein Aprilscherz

Der amerikanische Neobroker-Pionier Robinhood geht an die Börse. Der kalifornische Fintech-Star hat bei der amerikanischen Börsenaufsicht SEC einen Antrag für eine Erstnotiz eingereicht.

Robin Hood setzt seine Erfolgsgeschichte fort

Das Initial Public Offering (IPO), könnte schon im zweiten Quartal dieses Jahres stattfinden, sobald die SEC ihre Prüfung abgeschlossen hat. Robinhood wird aktuell mit knapp 12 Milliarden Dollar bewertet, könnte bei einem Börsengang nach ersten Schätzungen aber sogar auf eine Bewertung von bis zu 20 Milliarden Dollar kommen.

Damit setzt der 2013 von den beiden Stanford-Studenten Vlad Tenev und Baiju Bhatt gegründete Fintech-Star nicht nur seine Erfolgsgeschichte fort, sondern es wird auch das nächste Kapitel zur „Demokratisierung des Börsenhandels“ aufgeschlagen: alles per App, ohne komplexe Gebühren, ohne eingestaubte Benutzeroberfläche und all das für möglichst viele Menschen. Bereits heute zählt die Plattform mehr als 13 Millionen Kunden.

Auch hierzulande haben Robinhood-Nachahmer der neuen (digitalen) Generation – insbesondere junge Sparer und Anleger – den dringend benötigten Zugang zur Börse nicht nur ermöglicht, sondern auch verlockend und spielerisch-attraktiv präsentiert. Zehntausende junge Menschen haben in den vergangenen Monaten so endlich den Weg an die Börse gefunden.

Allein in Deutschland ist die Anzahl der Aktionäre nach Angaben des Deutschen Aktieninstituts im vergangenen Jahr um 2,7 Millionen angewachsen! Mit einer Zuwachsrate von fast 70 % stechen vor allem die unter 30-Jährigen hervor. Aktien werden Teil des Lifestyles. Die Hemmschwelle für Börsenengagements sinkt endlich, Wertpapiersparen wird zur Normalität. Den Niedrigzinsen sei Dank; der Verdienst gebührt aber auch den neuen digitalen Smartphone-Apps der Neobroker.

Erfolgsrezept mit Nebengeschmack!

Das Image der Broker-Rebellen hat in der jüngeren Vergangenheit aber kräftig gelitten. Im vergangenen Jahr beging ein 20-jähriger Robinhood-Trader Selbstmord, weil ihm in der App ein Fehlbetrag von 730.000 Dollar angezeigt wurde. Später stellte sich heraus, dass er die Daten falsch interpretiert hatte. Doch da war es schon zu spät. Seine Familie hat nun Klage gegen Robinhood eingereicht. Nicht nur dem US-Fintech-Star, sondern den Neobrokern im Allgemeinen wird vorgeworfen, durch ihre spielerischen Funktionen süchtig zu machen.

Gerade junge Nutzer könnten das tatsächliche Risiko ihres Handelns deshalb gar nicht realistisch einschätzen. So kritisierte die US-Börsenaufsicht Robinhood im vergangenen Jahr für die "Gamification", also die Einbindung von Spieleelementen in den Prozess der Geldanlage. Tatsächlich nutzt Robinhood eine spielerische Grafik und setzt auf Social Media, um den Spaßfaktor beim Aktienhandel zu erhöhen. Andere Neobroker folgen diesem Vorbild. Zwar ist Gamification ein beliebtes und weit verbreitetes Mittel, etwa um Wissensvermittlung spielerisch aufzubereiten. Ob dies auch konkret beim Traden zum Einsatz kommen sollte, bleibt mindestens fragwürdig, weil spätestens beim Einsatz und potenziellen Verlusten das Spiel endet.

Bestätigt fühlten sich die Skeptiker durch die Gamestop-Flashmob-Attacken vor wenigen Wochen: Privatanleger verabredeten sich im Internet zu Wertpapierkäufen und trieben den Aktienpreis des Videospiele-Einzelhändlers Gamestop innerhalb eines Monats von rund 17 Dollar hoch auf bis zu 340 Dollar – mithilfe der Neobroker. Sie wetteten dabei vor allem gegen große Hedgefonds und bescherten diesen Milliarden-Verluste.

Neobroker für Neoinvestoren ja, aber nicht ohne Neoadvisor!

Unrealistische Erwartungen, Halbwissen und wildes Zocken in der Hoffnung auf „Spaß“ und kurzfristige Gewinne werden zwangsläufig zur Konsequenz haben, dass die Börsen-Neulinge und Robinhood-Rebellen teures Lehrgeld zu bezahlen haben. Börse ist kein virtuelles Game! Ganz egal wie spielerisch der Broker anmutet. Viele Einsteiger ignorieren wichtige Investmentgrundregeln und setzen in der Hoffnung auf schnelle Gewinne auf „heiße Tipps“. Damit aus einem kurzfristigen Boom auch ein langanhaltender Wandel entsteht, reicht eine „Demokratisierung des Börsenhandels“ allein ganz offensichtlich nicht aus.

Ich habe bei meinen Börsenspekulationen nie zu den Dummköpfen gehört, die immer wieder den unmöglichen Versuch machen, nur zum niedrigsten Kurs zu kaufen und zum höchsten zu verkaufen.
AMSCHEL MEYER ROTHSCHILD

Im Kern geht es darum, dieser neuen Generation der digitalen Selbstentscheider nicht nur mit kostenlosem Handel und coolen Trading-Apps endlich den Zugang zu den Börsen zu ermöglichen. Es muss gleichzeitig auch sichergestellt werden, dass sie eigenverantwortlich und kompetent entscheiden und investieren können. Die Neoinvestoren müssen in nachhaltige, langfristig gewinnbringende Bahnen gelenkt werden. Wir bei finCraft nennen das „financial empowerment“ für digitale Selbstentscheider. In anderen Worten: Auf die „Demokratisierung des Börsenhandels“ folgt die „Demokratisierung der Anlageberatung“. Dafür steht finCraft.

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