Schwarz, schwärzer, schwärzester Juni für den DAX – eine Halbjahresbilanz

Schwarz, schwärzer, schwärzester Juni für den DAX – eine Halbjahresbilanz

Allein im Juni hat der Dax rund 11% verloren. Mehr als jemals zuvor in einem Juni. Das sagt eigentlich schon alles über die aktuelle Lage aus. Die DAX-Bilanz summiert sich im ersten Halbjahr auf minus 19,5%. Vom Höchststand aus ging es für den deutschen Leitindex sogar um 21,50% abwärts. Man muss bis ins Jahr 2008 zurückgehen, um eine Phase zu finden, in der deutsche Aktien noch schlechter abschnitten. Damals erreichte die Finanzkrise mit dem Zusammenbruch der US-Investmentbank „Lehman Brother“ ihren Höhepunkt und der Dax verlor im Gesamtjahr 2008 heftige 40%.

Bärenmarkt 2022

Soweit sind wir in 2022 noch nicht, das Jahr ist ja aber auch erst zur Hälfte vorbei. Der DAX befindet sich in guter Gesellschaft. Selbst der US-Leitindex Dow Jones hat über 15% verloren. Besonders abgestraft wurden die Börsenlieblinge der vergangenen Jahre, Internet- und Technologiewerte. Das spiegelt sich in der Performance der zugehörigen Leitindizes wider: der NASDA100 hat im laufenden Jahr fast 30% an Wert verloren, der hiesige TecDAX etwas mehr als 27%.

Diese Zweiteilung spiegelt sich auch auf Einzeltitelebene wider. Die Verliererliste im DAX wird von Zalando (-63%), Hellofresh (-53%) und Infineon (-45%) angeführt. Es gibt aber auch Gewinner, die Aktien von Bayer (+20%), Telekom (+16%) und Beiersdorf (+7%) stehen ganz oben.

Die Gründe für den Bärenmarkt sind hinlänglich bekannt: Die Inflation ist aus dem Ruder gelaufen, und das ist nicht nur für die Menschen im täglichen Leben ein massives Problem. Steigende Leitzinsen, um die vom Ukraine-Konflikt befeuerten Preissteigerungen unter Kontrolle zu bekommen, sind Gift für die Aktienmärkte. Corona-bedingte Lieferkettenprobleme erhöhen die Gefahr, dass die Wirtschaft in eine Rezession schlittern könnte, zusätzlich. Diese Entwicklung hat die wachstumsstarken Technologietitel, die mehr als andere Unternehmen auf günstige Kredite angewiesen sind, auf dem völlig falschen Fuß erwischt. Zumal die Tech-Begeisterung der Anleger die Aktien dieser Unternehmen in den Vorquartalen auf teils astronomische Bewertungsniveaus katapultiert hatte. Die „Reddit-Zocker“, die den heißen Tipps während des Corona-Börsenhypes gefolgt sind, stehen ebenso vor einem gewaltigen Scherbenhaufen wie die „Kryptojünger“.

Sind Aktien jetzt wieder billig?

Die entscheidende Frage lautet: wie geht es weiter? Oder konkreter: sind die Aktienkurse nun schon so weit gesunken, dass es (höchste) Zeit wird wieder einzusteigen? Drei Szenarien sind denkbar:

Szenario 1: Fest steht, in den aktuellen Kursen ist bereits sehr viel an negativen Nachrichten eingepreist. Weitere Zinserhöhungen, hohe Inflationsraten, Ukraine-Krieg, Lieferkettenprobleme… das überrascht niemanden mehr. Aus der Börsenhistorie kann man schließen, dass Korrekturen am wichtigen US-Aktienmarkt nach etwa 20% Kursverlusten beendet waren. Vor diesem Hintergrund wäre es demnächst also Zeit für einen Trendwechsel und damit auch für den Einstieg in den Aktienmarkt.

Szenario 2: Dies gilt allerdings (noch) nicht, wenn die Korrektur mit einer Rezession einhergeht. Sollte der Konjunkturmotor in den wichtigsten Volkswirtschaften also abgewürgt werden, bestünde noch Luft für weitere Kursverluste. Die Anleger werden deshalb in den kommenden Sommerwochen sehr genau beobachten, ob die Geldpolitiker rund um den Globus die ausufernde Inflation wieder einfangen können, ohne der Wirtschaft nachhaltig zu schaden.

Szenario 3: Die politische und wirtschaftliche Gemengelage ist angespannt und hätte weiteren, unvorhergesehen Schocks wenig entgegenzusetzen. Egal aus welcher Ecke, weitere Krisenherde kämen zur Unzeit. Speziell in der Euro-Zone bringt die Zinswende ein verdrängtes Problem zurück auf die Agenda: Nullzinspolitik und Anleiheankaufprogramm waren die Mittel der EZB und anderer Zentralbanken, um die Finanzmärkte, die nach der globalen Finanzkrise 2008 kriselten, zu stabilisieren, und die Wirtschaft durch die niedrigen Zinsen zu stärken. Durch die Zinswende erhöhen sich jetzt aber wieder die Zinskosten für die Länder. Hierdurch gerät auch die Euro-Zone unter Druck, weil die Frage aufkommt, ab welchem Zinsniveau die Sorgenkinder der Euro-Zone Probleme bekommen. Die Zinsaufschläge zwischen den Mitgliedstaaten driften jedenfalls bereits stark auseinander. Mit anderen Worten: Finanzinvestoren wetten bereits auf die nächste Euro-Krise! Sollte sich hieraus tatsächlich eine neue Systemkrise ergeben, also beispielsweise die nächste Finanz- und Schuldenkrise, würde auch der Aktienmarkt weiter deutlich fallen. Auf Basis vergangener Erfahrungen würde die Korrektur dann in Summe eher um die 50% erreichen und der DAX deutlich unter die 10.000-Punkte-Marke abstürzen.

Wie Anleger sich jetzt verhalten sollten

Selbst Anleger mit einem diversifizierten Portfolio, die nicht den Wettempfehlungen der Zocker gefolgt sind, dürften in den ersten sechs Monaten 2022 überwiegend Verluste eingefahren haben. Nervosität und Stresspegel steigen, und damit auch das Risiko falscher Entscheidungen.

Es stehen wohl noch einige hektische Börsenwochen an, bis sich die konjunkturellen Perspektiven einigermaßen geklärt haben. Vom Worst Case (Szenario 3) auszugehen, ist voreilig und keine besonnene Vorgehensweise. Andererseits ist in den aktuellen Kursen zwar schon viel Negatives vorweggenommen, aber vermutlich noch nicht alles. So spricht einiges dafür, dass wichtige Volkswirtschaften in eine temporär begrenzte Rezession abdriften werden, d. h. eine Konjunkturphase, in der das Wirtschaftswachstum stagniert oder gar negative Wachstumsraten aufweist. Vor diesem Hintergrund müssen die Unternehmensgewinnprognosen noch weiter nach unten korrigiert werden. Die Aktienmärkte werden über die Sommerwochen deshalb vermutlich weiter unter Druck bleiben. Das kostet Nerven, für besonnene Anleger ergeben sich hieraus aber günstige Opportunitäten.

Perfekte Ein- und Ausstiegszeitpunkte zu finden, ist ohnehin nahezu unmöglich. Wer die drei wichtigsten Grundregeln für Anleger beherzigt, wird der aktuell schwierigen Börsenphase aber etwas Positives abgewinnen können:

1) diversifiziere, lege also „nicht alle Eier in einen Korb“

2) lege langfristig an

3) lege nur Geld an, auf das du kurzfristig verzichten kannst.

Wohin das führt, zeigt folgendes Beispiel: Als Folge der Finanzkrise war der DAX 2008 bis zum Jahresende auf 4.810 Punkte abgestürzt. Bis Ende des vergangenen Jahres 2021 hat er sich aber wieder auf 15.885 Punkte hochgearbeitet. Wer die drei Grundregeln in der Krise 2008 befolgt hat, konnte sich also über eine jährliche Rendite von fast 10% freuen. Jede Krise eröffnet eben auch Chancen.

Schwarz, schwärzer, schwärzester Juni für den DAX – eine Halbjahresbilanz

Allein im Juni hat der Dax rund 11% verloren. Mehr als jemals zuvor in einem Juni. Das sagt eigentlich schon alles über die aktuelle Lage aus. Die DAX-Bilanz summiert sich im ersten Halbjahr auf minus 19,5%. Vom Höchststand aus ging es für den deutschen Leitindex sogar um 21,50% abwärts. Man muss bis ins Jahr 2008 zurückgehen, um eine Phase zu finden, in der deutsche Aktien noch schlechter abschnitten. Damals erreichte die Finanzkrise mit dem Zusammenbruch der US-Investmentbank „Lehman Brother“ ihren Höhepunkt und der Dax verlor im Gesamtjahr 2008 heftige 40%.

Bärenmarkt 2022

Soweit sind wir in 2022 noch nicht, das Jahr ist ja aber auch erst zur Hälfte vorbei. Der DAX befindet sich in guter Gesellschaft. Selbst der US-Leitindex Dow Jones hat über 15% verloren. Besonders abgestraft wurden die Börsenlieblinge der vergangenen Jahre, Internet- und Technologiewerte. Das spiegelt sich in der Performance der zugehörigen Leitindizes wider: der NASDA100 hat im laufenden Jahr fast 30% an Wert verloren, der hiesige TecDAX etwas mehr als 27%.

Diese Zweiteilung spiegelt sich auch auf Einzeltitelebene wider. Die Verliererliste im DAX wird von Zalando (-63%), Hellofresh (-53%) und Infineon (-45%) angeführt. Es gibt aber auch Gewinner, die Aktien von Bayer (+20%), Telekom (+16%) und Beiersdorf (+7%) stehen ganz oben.

Die Gründe für den Bärenmarkt sind hinlänglich bekannt: Die Inflation ist aus dem Ruder gelaufen, und das ist nicht nur für die Menschen im täglichen Leben ein massives Problem. Steigende Leitzinsen, um die vom Ukraine-Konflikt befeuerten Preissteigerungen unter Kontrolle zu bekommen, sind Gift für die Aktienmärkte. Corona-bedingte Lieferkettenprobleme erhöhen die Gefahr, dass die Wirtschaft in eine Rezession schlittern könnte, zusätzlich. Diese Entwicklung hat die wachstumsstarken Technologietitel, die mehr als andere Unternehmen auf günstige Kredite angewiesen sind, auf dem völlig falschen Fuß erwischt. Zumal die Tech-Begeisterung der Anleger die Aktien dieser Unternehmen in den Vorquartalen auf teils astronomische Bewertungsniveaus katapultiert hatte. Die „Reddit-Zocker“, die den heißen Tipps während des Corona-Börsenhypes gefolgt sind, stehen ebenso vor einem gewaltigen Scherbenhaufen wie die „Kryptojünger“.

Sind Aktien jetzt wieder billig?

Die entscheidende Frage lautet: wie geht es weiter? Oder konkreter: sind die Aktienkurse nun schon so weit gesunken, dass es (höchste) Zeit wird wieder einzusteigen? Drei Szenarien sind denkbar:

Szenario 1: Fest steht, in den aktuellen Kursen ist bereits sehr viel an negativen Nachrichten eingepreist. Weitere Zinserhöhungen, hohe Inflationsraten, Ukraine-Krieg, Lieferkettenprobleme… das überrascht niemanden mehr. Aus der Börsenhistorie kann man schließen, dass Korrekturen am wichtigen US-Aktienmarkt nach etwa 20% Kursverlusten beendet waren. Vor diesem Hintergrund wäre es demnächst also Zeit für einen Trendwechsel und damit auch für den Einstieg in den Aktienmarkt.

Szenario 2: Dies gilt allerdings (noch) nicht, wenn die Korrektur mit einer Rezession einhergeht. Sollte der Konjunkturmotor in den wichtigsten Volkswirtschaften also abgewürgt werden, bestünde noch Luft für weitere Kursverluste. Die Anleger werden deshalb in den kommenden Sommerwochen sehr genau beobachten, ob die Geldpolitiker rund um den Globus die ausufernde Inflation wieder einfangen können, ohne der Wirtschaft nachhaltig zu schaden.

Szenario 3: Die politische und wirtschaftliche Gemengelage ist angespannt und hätte weiteren, unvorhergesehen Schocks wenig entgegenzusetzen. Egal aus welcher Ecke, weitere Krisenherde kämen zur Unzeit. Speziell in der Euro-Zone bringt die Zinswende ein verdrängtes Problem zurück auf die Agenda: Nullzinspolitik und Anleiheankaufprogramm waren die Mittel der EZB und anderer Zentralbanken, um die Finanzmärkte, die nach der globalen Finanzkrise 2008 kriselten, zu stabilisieren, und die Wirtschaft durch die niedrigen Zinsen zu stärken. Durch die Zinswende erhöhen sich jetzt aber wieder die Zinskosten für die Länder. Hierdurch gerät auch die Euro-Zone unter Druck, weil die Frage aufkommt, ab welchem Zinsniveau die Sorgenkinder der Euro-Zone Probleme bekommen. Die Zinsaufschläge zwischen den Mitgliedstaaten driften jedenfalls bereits stark auseinander. Mit anderen Worten: Finanzinvestoren wetten bereits auf die nächste Euro-Krise! Sollte sich hieraus tatsächlich eine neue Systemkrise ergeben, also beispielsweise die nächste Finanz- und Schuldenkrise, würde auch der Aktienmarkt weiter deutlich fallen. Auf Basis vergangener Erfahrungen würde die Korrektur dann in Summe eher um die 50% erreichen und der DAX deutlich unter die 10.000-Punkte-Marke abstürzen.

Wie Anleger sich jetzt verhalten sollten

Selbst Anleger mit einem diversifizierten Portfolio, die nicht den Wettempfehlungen der Zocker gefolgt sind, dürften in den ersten sechs Monaten 2022 überwiegend Verluste eingefahren haben. Nervosität und Stresspegel steigen, und damit auch das Risiko falscher Entscheidungen.

Es stehen wohl noch einige hektische Börsenwochen an, bis sich die konjunkturellen Perspektiven einigermaßen geklärt haben. Vom Worst Case (Szenario 3) auszugehen, ist voreilig und keine besonnene Vorgehensweise. Andererseits ist in den aktuellen Kursen zwar schon viel Negatives vorweggenommen, aber vermutlich noch nicht alles. So spricht einiges dafür, dass wichtige Volkswirtschaften in eine temporär begrenzte Rezession abdriften werden, d. h. eine Konjunkturphase, in der das Wirtschaftswachstum stagniert oder gar negative Wachstumsraten aufweist. Vor diesem Hintergrund müssen die Unternehmensgewinnprognosen noch weiter nach unten korrigiert werden. Die Aktienmärkte werden über die Sommerwochen deshalb vermutlich weiter unter Druck bleiben. Das kostet Nerven, für besonnene Anleger ergeben sich hieraus aber günstige Opportunitäten.

Perfekte Ein- und Ausstiegszeitpunkte zu finden, ist ohnehin nahezu unmöglich. Wer die drei wichtigsten Grundregeln für Anleger beherzigt, wird der aktuell schwierigen Börsenphase aber etwas Positives abgewinnen können:

1) diversifiziere, lege also „nicht alle Eier in einen Korb“

2) lege langfristig an

3) lege nur Geld an, auf das du kurzfristig verzichten kannst.

Wohin das führt, zeigt folgendes Beispiel: Als Folge der Finanzkrise war der DAX 2008 bis zum Jahresende auf 4.810 Punkte abgestürzt. Bis Ende des vergangenen Jahres 2021 hat er sich aber wieder auf 15.885 Punkte hochgearbeitet. Wer die drei Grundregeln in der Krise 2008 befolgt hat, konnte sich also über eine jährliche Rendite von fast 10% freuen. Jede Krise eröffnet eben auch Chancen.

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