„Social Trading“ oder „Community Gambling“?

„Social Trading“ oder „Community Gambling“?

„Immer wieder beeinflussen unlautere Akteure in den sozialen Medien Kurse und Preise von Finanzinstrumenten wie Aktien. Sie versuchen, etwa durch falsche oder irreführende Anlagetipps, Nachfrage nach Aktien zu erzeugen oder zu erhöhen, ohne dabei offenzulegen, dass sie diese Anlageprodukte selbst halten und daher selbst von Kursgewinnen stark profitieren.“ Mit diesen Worten warnt die Finanzaufsicht BaFin vor Anlagetipps in den sozialen Medien und schlussfolgert: „Vorsicht ist oberstes Gebot.“

Social Trading?

Das „Social Trading“ ist längst zum festen Bestandteil der Trading-Community geworden, gilt es doch als Katalysator für die erhoffte Demokratisierung des Börsenhandels. Woher kommt also die Skepsis?

Um das Social Trading (ST) richtig einzuordnen, ist es empfehlenswert, den Begriff zunächst einmal zu entzerren:

  • Social: Das Adjektiv sozial, von französisch social und lateinisch socialis, wird oft als Synonym zu „gesellschaftlich“ verwendet und im erweiterten Sinn zu „gemeinnützig, hilfsbereit, barmherzig“. Stattdessen beschreibt der Begriff des Sozialen zunächst die Gruppe als Handlungsvoraussetzung. (Wikipedia)
  • Trading: Beim Trading geht es darum, verschiedene Wertpapiere oder andere Finanzinstrumente wie Aktien, Rohstoff-Zertifikate oder (Krypto-)Währungen zu kaufen, um sie im Anschluss möglichst schnell mit Gewinn wieder zu verkaufen. Dabei profitieren sogenannte Trader von der üblichen Schwankung der Kurse an der Börse, die auch als Volatilität bezeichnet wird. (Finanztip)

Wieder zusammengesetzt, bezeichnet „Social Trading“ – auch Copy Trading genannt – eine Community, in der sich die Nutzer über die Entwicklung an den Finanzmärkten austauschen. Dabei veröffentlichen Anleger ihre (Experten-) Meinungen zu Wertpapieren oder ihr gesamtes Portfolio auf speziellen Plattformen oder über die sozialen Medien. Andere Anleger, sogenannte Follower, können dann diese Anlagestrategien und Portfolios nachbilden.

Ist Social Trading wirklich sozial?

Insbesondere die Neo-Broker mit ihren coolen Plattformen haben sich als effiziente Vehikel für die Umsetzung der Social-Trading-Bewegung etabliert. Sie profitieren von Plattformen wie Reddit, auf denen Social Trading Hypes losgetreten werden und die in der jüngeren Vergangenheit vor allem Meme-Aktien wie GameStop und hierzulande windeln.de auf skurrile Bewertungsniveaus katapultierten. Analysen haben aber ergeben, dass beispielsweise der Vorzeige-Neobroker Robinhood mit seinen annähernd 20 Mio. Nutzern lieber auf die Kunden mit dem kleinen Geldbeutel und sich schnell drehende Geschäfte setzt, als auf jene, die nachhaltige Investments bevorzugen.

Vor diesem Hintergrund drängt sich die Frage auf: Was hat sich schnell drehender Wertpapierhandel mit „Gemeinnützigkeit“ zu tun? Ist es nicht eher so, dass Social Trading in seiner gelebten Form weder sozial noch im Interesse der Anleger ist?

Die Kurse dieser Hype-Aktien sind hochgradig volatil und werden u.a. über den Einsatz weiterer Finanzinstrumente gepusht. Die, die das Geschäft verstehen und ankurbeln, sind nicht selten die Gewinner dieser Achterbahnfahrt. Die weit über 95 % Verlierer sind die sogenannten Social Trader, die dem Glauben an eine „Pseudo-Marktgerechtigkeit“ aufgesessen sind.

Profiteure dieser Entwicklungen sind diejenigen, die den Stein ins Rollen bringen und die Broker, deren Geschäftsmodell es nicht ist, dass Kunden eine langfristige Anlagestrategie mit sehr überschaubaren Transaktionen entwickeln, sondern dass Kunden möglichst viel handeln – koste es, was es wolle. Das ist weder sozial noch nachhaltig, sondern Zockerei. Wäre es nicht besser, diese Art von Handel in „Community Gambling“ umzubenennen?

Lösungsansatz „Neo-Advice“ zur Know-how-Vermittlung

Anstatt das Denken anderen zu überlassen, sollten Anleger – ganz besonders Börseneinsteiger – mit dem erforderlichen Know-how ausgestattet werden, um selbständig Investmententscheidungen treffen zu können. Hierzu passt, dass nun vermehrt sogenannte Anlageberatungsplattformen auf den Markt kommen, die dem Anleger helfen wollen, sich Wissen anzueignen, bevor gehandelt wird. Sie werben damit, dass sie der Community freien Raum geben, sich gegenseitig aufzuklären. Grundsätzlich ist das begrüßenswert, aber auch hier gilt die BaFin-Warnung: „Vorsicht ist oberstes Gebot“. Diese Art von Aufklärung kann, wie das Social Trading, natürlich bewusst gesteuert werden. Wer genauer hinschaut, wird schnell feststellen: Viele Kommentare, Empfehlungen und sogenannte „Analysen von Experten“ sehen zwar cool aus, sind aber nur unqualifizierte heiße Luft und entbehren jeder Grundlage.

Eine gute digitale Anlageempfehlung sieht anders aus und sollte auch anders funktionieren. In Zeiten, in denen sich die Märkte nur nach oben entwickeln, wird das alles gerne verdrängt; aber wehe, wenn sich die Zeiten ändern. In diesem Falle wird sich die Spreu vom Weizen trennen.

„Social Trading“ oder „Community Gambling“?

„Immer wieder beeinflussen unlautere Akteure in den sozialen Medien Kurse und Preise von Finanzinstrumenten wie Aktien. Sie versuchen, etwa durch falsche oder irreführende Anlagetipps, Nachfrage nach Aktien zu erzeugen oder zu erhöhen, ohne dabei offenzulegen, dass sie diese Anlageprodukte selbst halten und daher selbst von Kursgewinnen stark profitieren.“ Mit diesen Worten warnt die Finanzaufsicht BaFin vor Anlagetipps in den sozialen Medien und schlussfolgert: „Vorsicht ist oberstes Gebot.“

Social Trading?

Das „Social Trading“ ist längst zum festen Bestandteil der Trading-Community geworden, gilt es doch als Katalysator für die erhoffte Demokratisierung des Börsenhandels. Woher kommt also die Skepsis?

Um das Social Trading (ST) richtig einzuordnen, ist es empfehlenswert, den Begriff zunächst einmal zu entzerren:

  • Social: Das Adjektiv sozial, von französisch social und lateinisch socialis, wird oft als Synonym zu „gesellschaftlich“ verwendet und im erweiterten Sinn zu „gemeinnützig, hilfsbereit, barmherzig“. Stattdessen beschreibt der Begriff des Sozialen zunächst die Gruppe als Handlungsvoraussetzung. (Wikipedia)
  • Trading: Beim Trading geht es darum, verschiedene Wertpapiere oder andere Finanzinstrumente wie Aktien, Rohstoff-Zertifikate oder (Krypto-)Währungen zu kaufen, um sie im Anschluss möglichst schnell mit Gewinn wieder zu verkaufen. Dabei profitieren sogenannte Trader von der üblichen Schwankung der Kurse an der Börse, die auch als Volatilität bezeichnet wird. (Finanztip)

Wieder zusammengesetzt, bezeichnet „Social Trading“ – auch Copy Trading genannt – eine Community, in der sich die Nutzer über die Entwicklung an den Finanzmärkten austauschen. Dabei veröffentlichen Anleger ihre (Experten-) Meinungen zu Wertpapieren oder ihr gesamtes Portfolio auf speziellen Plattformen oder über die sozialen Medien. Andere Anleger, sogenannte Follower, können dann diese Anlagestrategien und Portfolios nachbilden.

Ist Social Trading wirklich sozial?

Insbesondere die Neo-Broker mit ihren coolen Plattformen haben sich als effiziente Vehikel für die Umsetzung der Social-Trading-Bewegung etabliert. Sie profitieren von Plattformen wie Reddit, auf denen Social Trading Hypes losgetreten werden und die in der jüngeren Vergangenheit vor allem Meme-Aktien wie GameStop und hierzulande windeln.de auf skurrile Bewertungsniveaus katapultierten. Analysen haben aber ergeben, dass beispielsweise der Vorzeige-Neobroker Robinhood mit seinen annähernd 20 Mio. Nutzern lieber auf die Kunden mit dem kleinen Geldbeutel und sich schnell drehende Geschäfte setzt, als auf jene, die nachhaltige Investments bevorzugen.

Vor diesem Hintergrund drängt sich die Frage auf: Was hat sich schnell drehender Wertpapierhandel mit „Gemeinnützigkeit“ zu tun? Ist es nicht eher so, dass Social Trading in seiner gelebten Form weder sozial noch im Interesse der Anleger ist?

Die Kurse dieser Hype-Aktien sind hochgradig volatil und werden u.a. über den Einsatz weiterer Finanzinstrumente gepusht. Die, die das Geschäft verstehen und ankurbeln, sind nicht selten die Gewinner dieser Achterbahnfahrt. Die weit über 95 % Verlierer sind die sogenannten Social Trader, die dem Glauben an eine „Pseudo-Marktgerechtigkeit“ aufgesessen sind.

Profiteure dieser Entwicklungen sind diejenigen, die den Stein ins Rollen bringen und die Broker, deren Geschäftsmodell es nicht ist, dass Kunden eine langfristige Anlagestrategie mit sehr überschaubaren Transaktionen entwickeln, sondern dass Kunden möglichst viel handeln – koste es, was es wolle. Das ist weder sozial noch nachhaltig, sondern Zockerei. Wäre es nicht besser, diese Art von Handel in „Community Gambling“ umzubenennen?

Lösungsansatz „Neo-Advice“ zur Know-how-Vermittlung

Anstatt das Denken anderen zu überlassen, sollten Anleger – ganz besonders Börseneinsteiger – mit dem erforderlichen Know-how ausgestattet werden, um selbständig Investmententscheidungen treffen zu können. Hierzu passt, dass nun vermehrt sogenannte Anlageberatungsplattformen auf den Markt kommen, die dem Anleger helfen wollen, sich Wissen anzueignen, bevor gehandelt wird. Sie werben damit, dass sie der Community freien Raum geben, sich gegenseitig aufzuklären. Grundsätzlich ist das begrüßenswert, aber auch hier gilt die BaFin-Warnung: „Vorsicht ist oberstes Gebot“. Diese Art von Aufklärung kann, wie das Social Trading, natürlich bewusst gesteuert werden. Wer genauer hinschaut, wird schnell feststellen: Viele Kommentare, Empfehlungen und sogenannte „Analysen von Experten“ sehen zwar cool aus, sind aber nur unqualifizierte heiße Luft und entbehren jeder Grundlage.

Eine gute digitale Anlageempfehlung sieht anders aus und sollte auch anders funktionieren. In Zeiten, in denen sich die Märkte nur nach oben entwickeln, wird das alles gerne verdrängt; aber wehe, wenn sich die Zeiten ändern. In diesem Falle wird sich die Spreu vom Weizen trennen.

Nächsten Beitrag lesen

This is some text inside of a div block.
Jahresausblick 2022Jahresausblick 2022
23
December
2021
News
Image
Klima goes BörseKlima goes Börse
17
November
2021
News
Image
Oktober-Crash voraus?Oktober-Crash voraus?
14
October
2021
News
Image
Ihr habt geantwortetIhr habt geantwortet
13
September
2021
Wissen
Image