Wohin mit der ganzen Kohle?

Wohin mit der ganzen Kohle?

Das Geldvermögen der Deutschen hat trotz der Corona-Krise einen neuen Rekordwert erreicht. Zum Ende des zweiten Quartals besaßen die Privathaushalte mit insgesamt 6.630 Milliarden Euro ein so hohes Geldvermögen wie noch nie.

6.630 Milliarden Euro – aber kein (Spar)Schwein zahlt Zinsen!

Hohe Einkommen, hohe Sparleistungen - die deutschen Sparer verfügen im internationalen Vergleich also über eine hervorragende Ausgangsposition. Einziges Problem: Deutsche Haushalte sparen zwar sehr viel, wählen aber wenig erfolgreiche Anlageformen. Sparer/innen setzen weiter auf Bargeld und Bankeinlagen, die wegen der Zinsflaute kaum Gewinne einbringen.

Bargeld und Bankeinlagen erhöhten sich im zweiten Quartal 2020 um 72 Milliarden Euro!! Keine gute Idee, denn kein (Spar)Schwein zahlt Zinsen. Die reale Rendite von Bankeinlagen ist nach Berechnungen der Bundesbank bereits seit Ende 2010 negativ! Sparer erleiden in Zeiten der Nullzinsen also herbe Verluste.

Für’s Geld arbeiten oder das Geld arbeiten lassen?

Vor diesem Hintergrund kann man die „deutsche Anlagestrategie” nur als gigantische Fehlallokation bezeichnen, nicht nur, aber ganz besonders im aktuellen Niedrigzinsumfeld. Der Wertpapieranteil am Vermögensportfolio der privaten Haushalte bewegte sich in den vergangenen Jahren um niedrige 22% bis 24%.

Zum Vergleich: In den USA wird mehr als die Hälfte des Vermögensportfolios in Wertpapiere investiert. Statt einer Portfolioumschichtung in Richtung risiko- und renditeorientierter Anlagen haben sich die deutschen Sparer für einen anderen Weg entschieden, die Verluste der extremen Niedrigzinsen zu kompensieren: Sie haben ihre Sparleistungen aus Arbeitseinkommen weiter erhöht.

Die Deutschen arbeiten für’s Geld, lassen ihr Geld aber nicht für sich arbeiten.
DR. Stefan Steib

Vom „Land der Sparer“ zum „Land der Anleger“ dank Corona?

Ohne eine stärkere Orientierung hin zu den Kapitalmärkten, ist die zwingend nötige angemessene Anlagerendite nicht zu erwirtschaften. Deutsche Sparer müssen sich angesichts von Niedrigzinsen, Altersvorsorge-Druck und anderer Faktoren in naher Zukunft in deutlich höherem Maße am Kapitalmarkt engagieren. Diese Erkenntnis ist nicht wirklich neu. Neu ist aber, dass nun – ausgerechnet in Corona-Zeiten – endlich ein Umdenken stattzufinden scheint: die Coronakrise und der erste Lockdown sorgten für einen sprunghaften Anstieg der Anzahl der Depots privater Anleger wie die Daten der Deutschen Bundesbank belegen.

Der erste Lockdown im Frühjahr hat dazu geführt, dass viele Deutsche viel Zeit vor dem PC verbracht und die Börse für sich entdeckt haben. Die Zahlen zeigen einen ziemlich eindeutigen Zusammenhang zwischen Lockdown und Depotneueröffnungen. Bis zur Jahresmitte wurde dank dieses Anstiegs endlich wieder der Wert des Jahres 2013 mit rund 24,3 Mio. Wertpapierdepots erreicht.

Dieser Trend hat sich in den vergangenen Wochen weiter fortgesetzt: Den Daten der Bundesbank zufolge existierten Ende September 24,8 Millionen Depots für Privatkunden. Aufs Gesamtjahr war ein Zuwachs um 6,2% zu beobachten, immerhin das größte Wachstum seit 2013. Gerade junge Menschen suchen den Weg an die Börse. Da scheint endlich ein dramatisches Umdenken stattzufinden und wenigstens aus diesem Blickwinkel kann man nun sogar dem zweiten Lockdown etwas Positives abgewinnen.

Wie im Rausch, ab ins Casino

Dieser längst überfällige Stimmungswechsel hat aber nicht nur wünschenswerte Folgen. Denn nicht wenige der "Börsen-Neulinge" haben es wohl vor allem auf den schnellen Euro abgesehen. Und genau darin liegt die größte Gefahr: unrealistische Erwartungen, Halbwissen und wildes Zocken in der Hoffnung auf kurzfristige Gewinne werden zwangsläufig zur Konsequenz haben, dass diese Neulinge teures Lehrgeld zu bezahlen haben. Trading wird immer einfacher, kostet fast nichts und schafft so zusätzliche (Fehl-)Anreize sein Glück im Börsencasino zu suchen. Im schlimmsten Falle holen sich diese Börseneinsteiger derart blutige Nasen, dass sie sich wieder von der Börse verabschieden. Alte Vorurteile würden dann wieder bedient. Dies wäre eine verpasste Chance.

Jeder kann Geld mit Aktien verdienen, wenn er nur seine Hausaufgaben macht.
PETER LYNCH

Sparschwein adé, aber mit Plan!

Es wird Zeit dem Sparschwein adé zu sagen, keine Frage. Kapitalmarkt und Börse bieten Alternativen und haben gezeigt, dass Anleger auf Dauer sehr erfolgreich sein können, wenn sie statt auf das Sparbuch in Wertpapiere wie Aktien, Anleihen oder ETF investieren. Insofern ist der zu beobachtende und längst überfällige Spurwechsel vom Sparbuch in Richtung Börse zu begrüßen. Neuanleger brauchen aber einen Plan! Wer ein Haus baut, baut auch nicht einfach drauflos, sondern entwickelt erstmal einen Bauplan und überlegt sich, wie viel Haus er sich leisten kann. Bei der Geldanlage sollte es nicht anders sein. Kein Gezocke, keine heißen Tipps, kein Zufallsprinzip, sondern einen disziplinierten, strukturierten Ansatz mit Weitblick.

Wohin mit der ganzen Kohle?

Das Geldvermögen der Deutschen hat trotz der Corona-Krise einen neuen Rekordwert erreicht. Zum Ende des zweiten Quartals besaßen die Privathaushalte mit insgesamt 6.630 Milliarden Euro ein so hohes Geldvermögen wie noch nie.

6.630 Milliarden Euro – aber kein (Spar)Schwein zahlt Zinsen!

Hohe Einkommen, hohe Sparleistungen - die deutschen Sparer verfügen im internationalen Vergleich also über eine hervorragende Ausgangsposition. Einziges Problem: Deutsche Haushalte sparen zwar sehr viel, wählen aber wenig erfolgreiche Anlageformen. Sparer/innen setzen weiter auf Bargeld und Bankeinlagen, die wegen der Zinsflaute kaum Gewinne einbringen.

Bargeld und Bankeinlagen erhöhten sich im zweiten Quartal 2020 um 72 Milliarden Euro!! Keine gute Idee, denn kein (Spar)Schwein zahlt Zinsen. Die reale Rendite von Bankeinlagen ist nach Berechnungen der Bundesbank bereits seit Ende 2010 negativ! Sparer erleiden in Zeiten der Nullzinsen also herbe Verluste.

Für’s Geld arbeiten oder das Geld arbeiten lassen?

Vor diesem Hintergrund kann man die „deutsche Anlagestrategie” nur als gigantische Fehlallokation bezeichnen, nicht nur, aber ganz besonders im aktuellen Niedrigzinsumfeld. Der Wertpapieranteil am Vermögensportfolio der privaten Haushalte bewegte sich in den vergangenen Jahren um niedrige 22% bis 24%.

Zum Vergleich: In den USA wird mehr als die Hälfte des Vermögensportfolios in Wertpapiere investiert. Statt einer Portfolioumschichtung in Richtung risiko- und renditeorientierter Anlagen haben sich die deutschen Sparer für einen anderen Weg entschieden, die Verluste der extremen Niedrigzinsen zu kompensieren: Sie haben ihre Sparleistungen aus Arbeitseinkommen weiter erhöht.

Die Deutschen arbeiten für’s Geld, lassen ihr Geld aber nicht für sich arbeiten.
DR. Stefan Steib

Vom „Land der Sparer“ zum „Land der Anleger“ dank Corona?

Ohne eine stärkere Orientierung hin zu den Kapitalmärkten, ist die zwingend nötige angemessene Anlagerendite nicht zu erwirtschaften. Deutsche Sparer müssen sich angesichts von Niedrigzinsen, Altersvorsorge-Druck und anderer Faktoren in naher Zukunft in deutlich höherem Maße am Kapitalmarkt engagieren. Diese Erkenntnis ist nicht wirklich neu. Neu ist aber, dass nun – ausgerechnet in Corona-Zeiten – endlich ein Umdenken stattzufinden scheint: die Coronakrise und der erste Lockdown sorgten für einen sprunghaften Anstieg der Anzahl der Depots privater Anleger wie die Daten der Deutschen Bundesbank belegen.

Der erste Lockdown im Frühjahr hat dazu geführt, dass viele Deutsche viel Zeit vor dem PC verbracht und die Börse für sich entdeckt haben. Die Zahlen zeigen einen ziemlich eindeutigen Zusammenhang zwischen Lockdown und Depotneueröffnungen. Bis zur Jahresmitte wurde dank dieses Anstiegs endlich wieder der Wert des Jahres 2013 mit rund 24,3 Mio. Wertpapierdepots erreicht.

Dieser Trend hat sich in den vergangenen Wochen weiter fortgesetzt: Den Daten der Bundesbank zufolge existierten Ende September 24,8 Millionen Depots für Privatkunden. Aufs Gesamtjahr war ein Zuwachs um 6,2% zu beobachten, immerhin das größte Wachstum seit 2013. Gerade junge Menschen suchen den Weg an die Börse. Da scheint endlich ein dramatisches Umdenken stattzufinden und wenigstens aus diesem Blickwinkel kann man nun sogar dem zweiten Lockdown etwas Positives abgewinnen.

Wie im Rausch, ab ins Casino

Dieser längst überfällige Stimmungswechsel hat aber nicht nur wünschenswerte Folgen. Denn nicht wenige der "Börsen-Neulinge" haben es wohl vor allem auf den schnellen Euro abgesehen. Und genau darin liegt die größte Gefahr: unrealistische Erwartungen, Halbwissen und wildes Zocken in der Hoffnung auf kurzfristige Gewinne werden zwangsläufig zur Konsequenz haben, dass diese Neulinge teures Lehrgeld zu bezahlen haben. Trading wird immer einfacher, kostet fast nichts und schafft so zusätzliche (Fehl-)Anreize sein Glück im Börsencasino zu suchen. Im schlimmsten Falle holen sich diese Börseneinsteiger derart blutige Nasen, dass sie sich wieder von der Börse verabschieden. Alte Vorurteile würden dann wieder bedient. Dies wäre eine verpasste Chance.

Jeder kann Geld mit Aktien verdienen, wenn er nur seine Hausaufgaben macht.
PETER LYNCH

Sparschwein adé, aber mit Plan!

Es wird Zeit dem Sparschwein adé zu sagen, keine Frage. Kapitalmarkt und Börse bieten Alternativen und haben gezeigt, dass Anleger auf Dauer sehr erfolgreich sein können, wenn sie statt auf das Sparbuch in Wertpapiere wie Aktien, Anleihen oder ETF investieren. Insofern ist der zu beobachtende und längst überfällige Spurwechsel vom Sparbuch in Richtung Börse zu begrüßen. Neuanleger brauchen aber einen Plan! Wer ein Haus baut, baut auch nicht einfach drauflos, sondern entwickelt erstmal einen Bauplan und überlegt sich, wie viel Haus er sich leisten kann. Bei der Geldanlage sollte es nicht anders sein. Kein Gezocke, keine heißen Tipps, kein Zufallsprinzip, sondern einen disziplinierten, strukturierten Ansatz mit Weitblick.

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